Jürgen Schieferdecker (* 23. November 1937 in Meerane; † 3. Dezember 2018[1][2]) war ein deutscher Maler, Grafiker und Objektkünstler sowie Architekt und Hochschullehrer.

Leben

Von ihm entworfen: Gedenkstätte für Professoren der TU Dresden auf dem Alten Annenfriedhof (1983)
Die Ulbrichtsche Kugel (1984)

Schieferdecker studierte von 1955 bis 1962 unter anderem bei Karl-Heinz Adler und Georg Nerlich Architektur an der Technischen Hochschule Dresden und war anschließend dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Architekt Bernhard Klemm tätig. Er wurde 1975 Assistent an der Sektion Architektur der TU Dresden und übernahm 1993 die außerplanmäßige Professur für Bildnerische Lehre am Institut für Grundlagen der Gestaltung und Darstellung an der Fakultät der TU Dresden. Er stand dem künstlerischen Beirat der Universität vor und wurde 1994 Vorsitzender des Künstlerbundes Dresden sowie 2001 Kultursenator des Freistaates Sachsen. Der TU Dresden war Schieferdecker auch künstlerisch verbunden. Er entwarf das Logo der TU Dresden,[3] die Ulbrichtsche Kugel auf dem Campus der Universität und eine Gedenkstele der Universität. Auf ihn geht zudem die Gestaltung der TU-Gedenkstätte auf dem Alten Annenfriedhof zurück.

Bereits in den 1960er-Jahren schuf Schieferdecker politische Grafiken, Assemblagen und Collagen, die unter anderem in Havanna und Tokio ausgestellt wurden. Seine Arbeiten zeigten „die Deformation marxistischen Denkens und die gleichzeitige Verunglimpfung alternativer Ansätze“ und widmeten sich dem Überwachungsstaat DDR, wobei seine Werke „an Deutlichkeit nichts zu wünschen [übrig] ließen.“[4] Neben politisch kritischen Werken setzte er sich auch mit der künstlerischen Moderne des 20. Jahrhunderts auseinander. Vielfach wurde er international ausgezeichnet, was ihm nicht zuletzt auch Schutz vor den Partei- und Kulturfunktionären in der DDR gewährte.

Im Jahr 1983 kaufte das Kupferstichkabinett Dresden sein bis dahin entstandenes druckgrafisches Gesamtwerk auf.[5] Umfangreiche Sammlungen von Werken Schieferdeckers befinden sich im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, des Museums Meerane, der Neuen Sächsischen Galerie Chemnitz und der Brandenburgischen Kunstsammlungen Cottbus.

Jürgen Schieferdecker war verheiratet mit Marita Schieferdecker-Adolph, der ehemaligen Ausländerbeauftragten der Stadt Dresden.

Werk (Auswahl)

Architektur und Gebrauchsgrafik

Logo der TU Dresden nach einem Entwurf von Jürgen Schieferdecker (1990)
  • 1967–1968: Krematorium Schmalkalden (mit Bernhard Klemm)
  • 1968–1975: Internat Vogtshof in Görlitz (mit Bernhard Klemm)
  • 1983: Gedenkstätte der TU Dresden auf dem Alten Annenfriedhof
  • 1990: Entwurf des Logos der TU Dresden

(Objekt-)Kunst

  • 1965: „Die Lust zu reisen“
  • 1965: „Die Stunde des Minotaurus“
  • 1965: „Flüchtige Vision des Friedens am Abend“
  • 1966: „Das Tausendjährige Reich oder Die Hühner und das Ei“
  • 1966/1967: „Das Leben der Philosophen oder Auswanderung eines Heiligen“
  • 1967: „Suliko oder Der Diktator am Abend“
  • 1967?: „Das Lächeln der Mona Lisa oder Kann Hoffnung scheitern?“ Kunstsammlungen Cottbus
  • 1978: „Beuys macht Licht“ (Foto-Lithografie)
  • 1983: Assemblage „Dresdner Menetekel“, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister
  • 1984: Die Ulbrichtsche Kugel (Metallplastik), große Version der Miniatur „Elefant Celebes“
  • 1987: „Die Heimkehr des Elefanten Celebes (für Max Ernst)“, Assemblage, Staatliche Kunstsammlungen Dresden[6] nach Max Ernsts Gemälde „Celebes
  • 1989: TU-Stele (Metallplastik und Mobile)
  • 1996/1997: Möllner Brett (Raum-Installation)
  • 1999: Ruhekissen (Raum-Installation)

Auszeichnungen